Täuschungen

Das menschliche Sehen ist eine großartige, aber in vielen Bereichen noch sehr geheimnisvolle Angelegenheit. Sicher ist: Viele Funktionen müssen zusammenspielen, um uns die Wahrnehmung von zum Beispiel Farben, Bewegungen oder Formen zu ermöglichen. Viele Funktionen der Wahrnehmung sind noch nicht verstanden. 

Für manche optische Täuschung gibt es daher keine schlüssige Erklärung, und manche Erklärung stellt sich im Nachhinein als unvollständig heraus. Das gilt auch für die hier gezeigten Täuschungen. 

Das Internet bietet einen großen Vorrat an Seiten, die sich mit optischen Täuschungen beschäftigen. Besonders ans Herz gewachsen sind mir die Seiten von Michael Bach und Akiyoshi Kitaoka. Außerdem ist das Institut für Augenoptik Aalen einen Besuch wert. 

Die auf dieser Seite gezeigten Beispiele sollen Sie neugierig machen. 

Rotating Snakes

von Akiyoshi Kitaoka

Diese Täuschung ist auf dem besten Weg, ein Klassiker zu werden. Die Figuren scheinen sich zu drehen, kurioserweise aber nur da, wo Sie gerade nicht hinschauen. In Wirklichkeit bewegt sich nichts. Sie bilden es sich nur ein. Wer's nicht glaubt, kann sich das Bild auf einem Farbdrucker ausdrucken.

Wenn Sie Ihre Augen im Bild hin und her bewegen, ist der Effekt am stärksten ausgeprägt.

Für den Genuss einer größeren Darstellung klicken Sie bitte auf das Bild.  
Rotating Snakes

Die Erklärung dieser Täuschung hat etwas damit zu tun, dass unser visuelles System aus Helligkeitsunterschieden Bewegungen interpretiert, wenn sich diese Unterschiede außerhalb der Mitte des Gesichtsfeldes befinden. Aus diesem Grund wird diese Art der Täuschung als peripheral drift bezeichnet.

Bei eingender Betrachtung des Bildchens entdecken Sie, dass es aus vielen gleichen Teilen aufgebaut ist, die jeweils aus einem gelben, einem schwarzen und einem blauen Element bestehen. Die Farben spielen übrigens keine entscheidende Rolle, wichtig sind die Helligkeitsunterschiede. Das verwendete Gelb ist dunkler als das Blau und beide sind heller als schwarz. 

Eine noch genauere Betrachtung ergibt, dass die Richtung der scheinbaren Drehbewegung davon abhängt, in welcher Reihenfolge die Farben auftauchen. Die Drehung erfolgt immer in Richtung der helleren Elemente. Eine etwas weitergehende Erklärung finden Sie hier  (pdf-Dokument).

Basteldrachen

Die freundlichen kleinen Drachen in der Abbildung sind irgendwann einmal im Internet aufgetaucht. Die kleinen Racker haben die Angewohnheit, Sie mit ihren Blicken zu verfolgen, wenn Sie durchs Zimmer gehen. Wer's nicht glaubt: Die Drachen stehen in drei verschiedenen Farben bei Grand Illusions zum download bereit. Dort gibt es auch ein kleines Video zu sehen. Die Seite ist auch dann einen Besuch wert, wenn Sie nicht an Drachen interessiert sind.

Ich schau dir in die Augen, KLeines

Natürlich ist der Effekt ein Trick. Der Kopf des Drachen ist als "Negativ" gebaut. Das linke Drachenauge in der Abbildung ist räumlich hinter dem rechten. Glauben Sie nicht? Dann werden Sie sich einen bauen müssen. Tipp: Verwenden Sie etwas dickeres Papier, so etwa 120g pro Quadratmeter, das macht die Kleinen stabiler.

Munker-White-Täuschung

Die Unterscheidung von Farben ist eine der spektakulärsten Sinneswahrnehmungen des Menschen. Wir beurteilen Farben jedoch nicht absolut, sondern in Abhängigkeit von der Umgebung. Der Munker-White-Effekt beruht auf diesem Umstand. In der Abbildung sind drei Blumen zu sehen, die objektiv genau gleich sind. Die Blüten haben alle den gleichen Rotton, die Stengel und Blätter sind alle gleich grün und der Blütenstamm ist bei allen drei Blumen gleich orange.
Die drei Gleichen

Aus welchem Grund erscheinen die Blumen so unterschiedlich?
Der Schlüssel liegt in dem gelb-blauen Streifenmuster des Bildes. Die mittlere Blume verdeckt das Muster vollständig. Bei der linken Blume liegen gelbe Streifen über der Abbildung. Die Blume verdeckt nur die blauen Streifen. Bei der rechten Blume verhält es sich genau umgekehrt.
Abhängig davon, welche Farbe die Blumenteile umgibt, kommt es zu einer chrakteristischen Verschiebung der Farbwahrnehmung. Die linke Blume hat im Vergleich zum Original einen Gelbstich, die rechte einen Blaustich.

Ein solches Bild lässt sich leicht selber basteln. Für das Blau-Gelbe Muster besorgen Sie sich gelben und blauen Bastelkarton in geeigneter Größe, für ein Wandbild zum Beispiel DIN A2. Außerdem benötigen Sie Bastelkarton oder Papier verschiedener Farben für die eigentlichen Motive.

Schneiden Sie den gelben Karton in gleich schmale Streifen und kleben Sie die Streifen in gleichmäßigen Abständen auf den blauen Karton, so dass ein regelmäßiges Streifenmuster entsteht. Je schmalaer die Streifen sind, desto stärker ist der Effekt ausgeprägt. Für einen durchschnittlich großen Raum sollten die Streifen nicht breiter als 1,5 cm sein. Damit ist das Grundmuster fertig.
Streifen kleben

Jetzt geht es an die Fertigung der Motive. Schneiden Sie aus den bunten Kartons verschiedene Figuren. Achten Sie darauf, dass die gleiche Farbe mindestens zwei Mal verwendet wird.
Die vorliegenden Motive werden in Streifen geschnitten, die genau so breit sind wie Streifen des blau-gelben Musters. Kleben Sie jeden zweiten Streifen der Motive so auf das Muster, dass entweder nur die gelben oder nur die blauen Streifen vom Motiv verdeckt werden.
Motive kleben
Das war schon alles. Genießen Sie den Effekt.